Wie können wir die Lücke schließen?

Wir brauchen ehrliche Spritangaben!

 

Wenn keine regulierenden Maßnahmen ergriffen werden, wird sich die Lücke von momentan durchschnittlich 42 Prozent zwischen den offiziellen Herstellerangaben und dem realem Spritverbrauch weiter vergrößern.

 

Die CO2-Emissionen von Neuwagen sollen von 2017 an nach dem neuen, weltweit einheitlichen Verfahren (Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure, kurz: WLTP) ermittelt werden.

Der Wechsel auf das neue Testverfahren WLTP muss jedoch sauber und transparent erfolgen. Hier sind politische Entscheidungsträger gefragt, damit die Umstellung des neuen Zyklus nicht zur Abschwächung des bestehenden CO2-Grenzwerts von 95 g/km für 2020 führt. Der Grenzwert basiert auf klimapolitischen Notwendigkeiten, er muss faktisch auch bei einer Umstellung auf den WLTP beibehalten werden.

 

Doch auch beim WLTP können Manipulationen nicht ausgeschlossen werden – WLTP ist kein Allheilmittel. Ein Umstieg auf ein neues Testverfahren bringt keine Verbesserung, wenn nicht  gleichzeitig kontrolliert wird.

 

Für eine nachhaltige Lösung bedarf es weitergehender Maßnahmen:

  • Eine Überprüfung der vom Hersteller vorgegebenen Parameter (z.B. der Rollwiderstand) ist dringend notwendig.
  • Mit Hilfe von portablen Messgeräten (Portable Emission Measurement Systems, PEMS-Messungen) müssen die Emissionen von Pkw im realen Straßenverkehr überprüft werden. Auch die Ermittlung von CO2-Emissionen sollten in das Verfahren integriert werden. Die Ergebnisse müssen veröffentlicht werden.
  • Es müssen amtliche Nachkontrollen von CO2- und Abgasangaben der Hersteller durchgeführt werden. Dafür muss von der Politik eine amtliche Stelle ernannt werden, die den Realverbrauch der Pkw überprüft. Die Testfahrzeuge sollten per Zufallsprinzip aus dem Bestand sowie nach vorliegenden Verdachtsmomenten ausgewählt werden. Nur so lässt sich der Betrug der Autoindustrie verhindern. Bei einer relevanten Abweichung sollte eine Korrektur der amtlichen Verbrauchswerte erfolgen. Dies ist in den USA bereits heute üblich. Die amerikanische Umweltbehörde zwingt die Autohersteller bei festgestellten Abweichungen oberhalb von 4 Prozent zur Korrektur der Angaben, veröffentlicht die festgestellten Betrügereien und fordert Strafzahlungen in bis zu dreistelliger Millionenhöhe.
  • Es muss eine offizielle Stelle für Verbraucher benannt werden, an die sich Autokäufer bei von ihnen festgestellten Abweichungen des Spritverbrauchs wenden können und die ihnen bei der Durchsetzung ihrer Rechte hilft.
  • Eine bessere Verbraucherinformation ist zwingend geboten. Nur wenn qualifizierte Informationen über den Spritverbrauch vorliegen, kann eine verbraucherfreundliche Lösung gefunden werden. Die offiziellen Verbrauchsangaben müssen grundsätzlich bei Nachprüfungen erreicht werden. In Deutschland kann nach einem Grundsatzentscheid des Bundesgerichtshofes jeder Autohalter mit nachweislich erhöhtem Spritverbrauch von über 10 Prozent die Rückabwicklung des Kaufs und Schadenersatz verlangen.