Ihr Pkw verbraucht viel mehr Sprit und Geld als Sie denken.

Autofahrer können nicht darauf vertrauen, dass die offiziell ausgewiesenen Verbrauchsdaten für ihr Fahrzeug auch der Realität entsprechen.

Autohersteller sind dazu verpflichtet, ehrliche und auf der Straße nachvollziehbare Verbrauchsangaben zu machen. Die entsprechende EU-Verordnung sieht vor, dass die bei der Typgenehmigungsprüfung gemessenen Emissionen denen im praktischen Fahrbetrieb entsprechen. Die Werte müssen während der gesamten normalen Lebensdauer des Fahrzeugs bei normalen Nutzungsbedingungen eingehalten werden.

Aktuelle Untersuchungen der unabhängigen Forschungsorganisation International Council on Clean Transportation (ICCT) zeigen jedoch erneut, dass der tatsächliche Spritverbrauch von Neufahrzeugen deutlich über den offiziellen Angaben der Automobilhersteller liegen. Dies haben sie herausgefunden:

Privatfahrzeuge verbrauchen 40% mehr Sprit als auf dem Papier ausgewiesen


 

Firmenfahrzeuge verbrauchen 45% mehr Sprit als auf dem Papier ausgewiesen


Durchschnittlich verbrauchen alle Neufahrzeuge in der EU 42% mehr Sprit als auf dem Papier ausgewiesen


 

Damit sind auch die klimaschädlichen CO2-Emissionen der Fahrzeuge fast doppelt so hoch wie offiziell angegeben.

Die Lücke zwischen den Herstellerangaben und den realen Verbrauchswerten wird immer größer und größer. Die Grafik zeigt deutlich, wie stark sie in den letzten Jahren gewachsen ist:

 

 

 

Auf dem Papier hingegen sind die CO2-Emissionen von PKW in den letzten Jahren deutlich gesunken. Der Grund dafür: Die Automobilhersteller gestalten die für die Typzulassung vorgeschriebenen Abgastests so, dass im Labor ein niedriger Spritverbrauch und entsprechend geringe CO2-Emissionen gemessen werden.

Dadurch, dass keine amtlichen Nachkontrollen der Typzulassung stattfinden, konnte die Automobilindustrie in den letzten Jahren ungehindert ihre Manipulationen der Spritverbrauchswerte ausweiten. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und Transport & Environment (T&E) weisen seit Jahren auf die Diskrepanz zwischen offiziellen und realen Werten hin. 2007 hat die DUH erstmals diesen Betrug aufgedeckt und detailliert erklärt, wie er zustande kommt.

 

Betrug am Verbraucher, Schaden für Umwelt und Gesundheit

Die wachsende Lücke zwischen offiziellen Labormesswerten und dem realen Verbrauch auf der Straße stellt für Europa eine der größten Umweltherausforderungen im Verkehrssektor dar. Ohne regulierende Maßnahmen, wird sich die Lücke zwischen den Verbrauchswerten weiter vergrößern. Autofahrer werden weiterhin massiv getäuscht und das Klima wird mit deutlich mehr CO2-Emissionen geschädigt, als offiziell angenommen.

 

Wie ist das möglich?

Die Messung des CO2-Ausstoßes erfolgt auf einem Prüfstand, wo das Fahrzeug auf einer Rolle betrieben und ein festgelegter Fahrbetrieb simuliert wird. Zuvor wird in einem Ausrolltest der Fahrwiderstand des Testfahrzeugs ermittelt, indem man das Fahrzeug auf einer schrägen Ebene ausrollen lässt. Das Ergebnis fließt in den Test auf dem Rollenprüfstand ein.

Der Grund für die immer größer werdende Lücke zwischen Laborwerten und realen Verbrauchswerten liegt in der immer absurder werdenden Umsetzung des  Ausrolltests. Das Fahrzeug wird von den Herstellern in einer Art und Weise für den Test präpariert, wie es niemals im Straßenverkehr fahren würde: mit extrem aufgepumpten Reifen, ohne Außenspiegel, abgeklebten Türen und Kühlergrill, ja sogar ohne Türen. Hier handelt es sich nicht um legale Tricks oder die Ausnutzung von ungeregelten Prüfvorschriften.

Beim Test auf dem Rollenprüfstand wiederum sind Aggregate wie die Klimaanlage nicht eingeschaltet oder die Batterieaufladung über die Lichtmaschine wird unterbrochen. Darüber hinaus setzen die Hersteller auch auf dem Prüfstand illegale Software ein. So erkennt das Testfahrzeug die Prüfsituation und „fährt“ in einem Modus, der zu optimalen Verbrauchsergebnissen führt.  

Eine weitere Software wurde von der kalifornischen Umweltbehörde CARB entdeckt: der Lenkrad-Trick. Demnach aktiviert sich ein Schaltprogramm für das Getriebe des Prüffahrzeugs, sobald das Lenkrad nach dem Start wie auf dem Prüfstand nicht bewegt wird. Dadurch werden geringe CO2-Emissionen gemessen. Sobald das Lenkrad um mehr als 15 Grad gedreht wird, aktiviert sich ein anderes Schaltprogramm und das Fahrzeug verbraucht wieder mehr Kraftstoff. 

Hier eine Übersicht über die Möglichkeiten, wie die offiziellen Angaben manipuliert werden können:

 

Grundsätzlich müssen die offiziellen, vom Hersteller veröffentlichten Verbrauchsangaben bei jeder Nachprüfung erreicht werden. Solche Veränderungen des Fahrzeugs, wie hier dargestellt, sind illegal. Für Nachmessungen müssen Serienfahrzeuge aus dem Bestand genommen werden, um den Machenschaften der Automobilindustrie entgegen zu wirken. Alle mutwilligen Abweichungen, die bei einem Prüffahrzeug gemessen werden, sind nicht rechtskonform.

Was folgt daraus?

Ein Betrug mit folgenschweren Konsequenzen.

Umwelt

Durch den höheren Verbrauch der Fahrzeuge gelangen deutlich mehr CO2-Emissionen in die Atmosphäre als offiziell angenommen.

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Wirtschaft und Staat

Immer mehr Unternehmen versuchen, die CO2-Emissionen ihrer Flotten zu senken. Die europäischen CO2-Grenzwerte für Pkw dienen ihnen als Maßstab.

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Verbraucher

Autobesitzer können sich nicht auf die offiziellen Verbrauchsangaben und die Energiekennzeichnung für Pkw verlassen.

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Wettbewerbsfähigkeit

Die europäische Automobilindustrie vernachlässigt echte Innovationen für effiziente Fahrzeuge, solange der Nachweis von niedrigen CO2-Emissionen auf dem Papier ausreicht.

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Die Lücke muss sich schliessen

Verbraucher brauchen Sicherheit, dass sie saubere und sparsame Fahrzeuge kaufen können, mit ehrlichen Spritverbrauchsangaben.

Die Automobilindustrie konnte auf dem Papier gute Ergebnisse erzielen. Dies ist jedoch nur auf Manipulationen der Hersteller, fehlerhafte Emissionsprüfungen, das Fehlen von amtlichen Nachkontrollen bei Bestandsfahrzeugen und die Schwierigkeiten für die Verbraucher zurückzuführen, Maßnahmen gegen unrealistische Kraftstoffverbrauchszahlen zu ergreifen.

Entscheidend ist, dass ein tatsächlicher Effekt für den Klimaschutz und mehr Gewissheit für den Verbraucher erzielt werden. Die Fahrzeuge müssen zukünftig wirklich sparsamer werden, nicht nur auf dem Papier.

Wir müssen die Lücke zwischen den offiziellen und realen Verbrauchswerten schließen.

 

Wie können wir die Lücke schließen?

 

 

Aktuelles

Real-world fuel consumption of passenger cars

Kurzer Überblick über die Manipulationen und die Ausnutzung von Schlupflöchern beim Typgenehmigungsverfahren (Englisch)

Ehrliche Spritverbrauchsangaben

Autohersteller sind dazu verpflichtet, ehrliche und auf der Straße nachvollziehbare Verbrauchsangaben zu machen.

Real Verbrauch Diesel

Die realen Spritverbräuche der TOP 15 Diesel-Neuzulassungen im Januar 2017

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